Liebe Dorstenerinnen und Dorstener,
hinter mir sehen Sie ein Kunstwerk, das Ihnen in Dorsten vielleicht bereits begegnet ist.
Das Werk der Dorstener Künstlerin Brigitte Stüwe besteht aus vielen dünnen, roten Fäden, die kreuz und quer auf einer Platte gespannt sind. Wenn Sie ganz nah herangehen, sehen Sie zunächst nur ein verknotetes Durcheinander – vielleicht ein wenig chaotisch. Doch wenn Sie einen Schritt zurücktreten und das Ganze mit Abstand betrachten, erkennen Sie ein Wort, das große Kraft für unser Miteinander hat und ein zentrales Motiv unseres Dorstener Stadtdialogs für Menschenwürde, Demokratie und eben auch ist:
Respekt.
Dieses Kunstwerk wandert aktuell durch unsere Stadt und ist an Orten zu Gast, an denen Respekt gelebt wird. Über die Feiertage steht es hier im Feuerwehrgerätehaus des Löschzuges Altstadt, der im Jahr 2026 sein 150-jähriges Bestehen feiern wird.
Dieses Kunstwerk passt auf besondere Weise zum Weihnachtsfest. Denn dieses Fest beginnt im Stall von Bethlehem nicht mit Glanz und Gloria, nicht mit Macht und Stärke. Weihnachten beginnt mit einem Kind in einer Krippe.
Gott kommt nicht mit Macht, nicht als Herrscher, nicht als Krieger.
Er braucht nicht mehr Platz als eine Wiege voller Stroh.
Er drängt sich nicht auf.
Er kommt als Säugling.
Wehrlos.
Angewiesen auf Fürsorge und auf Liebe.
Und gerade mit dieser Schutzlosigkeit zeigt Gott den Menschen seinen tiefsten Respekt.
Gott offenbart darin sein Geheimnis: Er wird zu einem Angebot an uns Menschen. Er ist wie jedes Kind ein Geschenk, das man annehmen muss. Er vertraut sich menschlicher Hilfe an.
Weihnachten ist deshalb das Fest der Liebe zum Mitmenschen – und ein Fest des Respekts, den wir füreinander empfinden.
Diese Botschaft findet sich auch in einem Lied wieder, das viele von uns kennen: „The Little Drummer Boy“.
Das Lied erzählt eine Geschichte, die so schlicht wie berührend ist:
Ein kleiner Junge hat nichts, was er dem neugeborenen Kind in der Krippe schenken könnte. Kein Gold, keine kostbaren Dinge. Nur sein Talent und seine Trommel. Nur seinen Rhythmus und sein Herz.
Und so spielt er.
Einfach.
Ehrlich.
Und das Wunder geschieht: Dieses kleine, unscheinbare Geschenk wird angenommen. Es wird wertvoll, weil es aus Liebe kommt.
Das ist die Botschaft des Liedes:
Nicht die Größe des Geschenks zählt, sondern die Haltung, mit der es gegeben wird.
Es zählt nicht der Glanz, sondern die innere Hingabe.
Nicht Perfektion, sondern Aufrichtigkeit.
Wenn wir auf unsere Feuerwehr und auf die vielen Ehrenamtlichen in unserer Stadt schauen, erkennen wir genau diese Haltung wieder. Hier im Löschzug Dorsten-Altstadt lebt diese Bereitschaft zu geben – genauso wie an unzähligen anderen Stellen in unserer Stadt: in Bildung und Sozialem, im Tier- und Umweltschutz, in Kunst, Kultur und Musik sowie in der Kinder- und Jugendarbeit.
Hier im Löschzug treffen wir Frauen und Männer, die im Ehrenamt bereitstehen. Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und manchmal auch ihre eigene Sicherheit, ja ihr Leben einsetzen, um anderen unter dem Motto
„Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr“
zu helfen.
Nicht, weil es ihnen nützt.
Nicht, weil es selbstverständlich wäre.
Sondern aus Respekt vor dem Mitmenschen.
Und aus Liebe zum Mitmenschen – aus Nächstenliebe.
Jeder Einsatz, jede Übung, jede Nacht, in der der Melder klingelt, ist ein Stück gelebte Nächstenliebe.
Ein Stück „Little Drummer Boy“.
Ein Geschenk, das nicht aus Gold besteht, sondern aus Hingabe zur Aufgabe.
Und so wie die roten Fäden hinter mir das Wort Respekt formen, so formen auch viele kleine Taten, viele kleine Gesten, viele kleine Dienste ein großes Ganzes: das Netzwerk einer Stadtgemeinschaft, die füreinander einsteht.
Weihnachten erinnert uns daran, dass wir alle Teil dieses Geflechts sind. Dass wir Fäden in der Hand halten, die unserer Gesellschaft Halt und Stabilität geben. Und dass jede und jeder von uns etwas beitragen kann – sei es groß oder klein.
Möge die Weihnachtsbotschaft uns den Mut und die Hingabe schenken, einander mit Respekt zu begegnen. Möge sie uns die Kraft geben, füreinander da zu sein.
Und so wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen für das neue Jahr 2026.
Ihr Bürgermeister
Tobias Stockhoff



