Denkmal „Alte Kirchentür “ an der Trauerhalle in Lembeck

Die Entstehungsgeschichte.

Die von Sandsteinen aus der Hohen Mark umgebene schwere Bronzetür ist ein Werk des Sendenhorster Künstlers Bernhard Kleinhans aus dem Jahr 1968, der ein Jahr zuvor auch das an der Südseite des Lembecker Kirchturms angebrachte Mahnmal gegen Unmenschlichkeit und Krieg gestaltet hatte. Die Tür war ursprünglich Nebeneingang an der Westseite des Kirchturms. Sie enthält ähnliche religiöse Motive wie das Mahnmal. Besonders auffällig ist das frühchristliche Symbol des Fisches als Türöffner.

Detailaufnahme: Der als Fisch gestaltete Türöffner. Foto: Pia Drüing

Beim Kirchenumbau in den Jahren 2005 und 2006 wurde die Tür aus energetischen Gründen ausgebaut. Ein weiterer Grund war, dass vom Bischöflichen Generalvikariat in Münster vorgeschlagen, bzw. verlangt wurde, eine Eichentür einzubauen, die sich an die übrigen Kirchentüren anpasst und ursprünglich auch dort eingebaut war. Küster Ludger Große-Heidermann hat die schwere Tür mit Hilfe der Lembecker Feuerwehr in den Kirchenkeller bringen lassen, damit die Tür, die seinerzeit immerhin 12.000 DM gekostet hat, nicht weggeworfen würde, sondern der Kirchengemeinde zur späteren Verwendung erhalten bliebe.

Die Idee, die im Kirchenkeller lagernde wertvolle Tür in Friedhofsnähe wiederzuverwenden, stammt von Ludwig Drüing. Auf seine Bitte hin skizzierte Theo Arentz eine mögliche Umrahmung der Tür mit Natursteinen.

Zeichnung: Theo Arentz

Als Standort war ursprünglich die Kriegsgräberstätte auf dem Lembecker Friedhof vorgesehen. Dieser Plan stieß aber beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., vertreten durch Herrn Wolfgang Held aus Essen, auf wenig Gegenliebe. Sein Hauptargument dagegen war, dass der Standort zu abgelegen sei und dort auch keinerlei Ehrungen stattfinden würden. Er schlug stattdessen vor, die Tür an zentraler Stelle vor der Trauerhalle aufzustellen. Dieser Vorschlag fand auch die Zustimmung von Pastor Alfred Voss und so konnten die Planungen für diesen Standort beginnen.

Zunächst musste die vorhandene Bepflanzung entfernt werden. Um die Kosten im Rahmen zu halten, hatte der Kirchenvorstand von St. Laurentius Lembeck/Rhade den Schützenverein und die Lembecker Landwirte gebeten, sich an dieser Aktion zu beteiligen.
Offiziere und Vorstandsmitglieder des Allgemeinen Bürgerschützenvereins haben bereits Ende Februar das vorhandene Strauchwerk abgeschnitten, eine vorgeschädigte Zeder gefällt und die Grünabfälle abtransportiert.
Aufgabe der Landwirte war es, die vorhandene Betonumrandung und das gesamte Wurzelwerk zu beseitigen und abzutransportieren. Der Stamm der Zeder war bereits vorher von der Firma Heiming in Lembeck mit einem Bagger aus dem Boden gehoben worden und konnte so problemlos aufgeladen werden.

Die Aufräumarbeiten. Foto: Renate Chmielewski

Theo Arentz´ Plan sah zwei ruinenmäßig abgeschrägte Natursteinpfeiler mit einer bogenförmigen Überdeckung der Bronzetür als Fragment und Türeinfassung vor.

Da aber die eigentliche Tür ein Rechteck bildete und ein Blindstück den Bogen der vorhandenen Türöffnung im Kirchturm geschlossen hatte, kam Werner Drüing auf die Idee, die Überdeckung der Tür gradlinig mit einem vorhandenen Natursteinblock in der Größe von b = 50 cm h = 40 cm und l = 1,70 m zu überdecken.

Werner plante ein zweiseitiges Sichtmauerwerk in einer Breite von 50 cm aus Natursteinen der Hohen Mark, die er beim Abbruch vorhandener Fundamente auf dem Hof Rößmann in Wulfen, Präsenkamp 12 vorgefunden und gelagert hatte.
Die Steine hatten teilweise gerade Kanten, unterschiedlichste Größen und mindestens eine, aber auch zwei glatte Flächen und einige Steine mindestens eine gerade Kante.
Die beiden Pfeiler wurden jeweils 70 bis 80 cm breit geplant, so dass sich eine Fundamentlänge von rd. 3,20 m und eine Breite von 70 cm ergab.

Georg Wesseling stellte anhand dieser Planvorlage Standfestigkeitsberechnungen an und gab vor, wie das Fundament bewehrt und der Stahlrahmen im Fundament eingebunden werden muss.
Diesen Stahlrahmen stellte die Fa. Kruse aus einem verzinkten Winkelprofil her und schloss die Drehtür aus Bronze daran an.

Die Absteckung am Standort des Bauwerks wurde anhand der Außenanlagenplanung von Dagmar Harks festgelegt und von Heinrich und Jürgen Kötting sowie Bernhard Soppe, Ludwig und Werner Drüing durchgeführt.

Das Betonfundament. Foto: Ludwig Drüing

Bernhard Soppe stellte die Ausschachtung mit dem Friedhofbagger her. Anschließend wurde das Fundament mit der Schalung von Heinz Sprenger eingeschalt.
Die Bewehrung stellten Jürgen Kötting und die Firmen Heiming und Elvermann kostenfrei.
Am 25 Juli musste zunächst 30 cm Regenwasser abgepumpt werden, die in der Nacht infolge eines starken Regenschauers in die Baugrube gelaufen war, danach konnte 2,5 cbm Beton eingebaut werden. Nach ein paar Tagen wurde ausgeschalt und die Baugrube von Bernhard Soppe ebenerdig angefüllt.

Am 4. August 2017 wurde der Stahlrahmen einschließlich Tür mit Hilfe des Baggers der Fa. Heiming und dem Fahrer Georg Cosanne und drei Feuerwehrleuten sowie Ludwig und Werner Drüing in die Köcher des Fundamentes gestellt, ausgerichtet und abgestützt und danach einbetoniert.

Die schwere Bronzetür war bereits am Dienstag, dem 21. Mai 2017, dem regulären Übungsabend der Feuerwehr, von zahlreichen Feuerwehrleuten mit großem Aufwand, Sachverstand und den notwendigen Geräten und Hilfsmitteln über die enge Treppe aus dem Kirchenkeller geholt worden. Die Tür wurde nach dieser erfolgreichen Aktion zur Werkstatt der Firma Hermann Kruse zur Überarbeitung gebracht.

Nach etwas Überzeugungsarbeit konnten Bernhard Harks und Franz Weßeling, ehemalige Arbeitskollegen von Werner Drüing von ihm als tatkräftige und erfahrene Handwerker für die nachfolgenden Mauerarbeiten gewonnen werden.

Grundsteinlegung: Franz Weßeling und Bernhard Harks. Foto: Ludwig Drüing

Bernhard Soppe, Ludwig Drüing, Theo Arentz und Heinz Hellenkamp (mit seinem Radlader) halfen tatkräftig mit, die Steine abzuladen, auszusuchen, zu transportieren sowie den Mörtel herzustellen und anzureichen. Das Mauerwerk wurde in 4 Arbeitsgängen a ca. 4 bis 5 Std. hergestellt. Die Natursteine transportierte Werner Drüing mit seinem Schlepper und Anhänger von Wulfen nach Lembeck. Zum Schluss wurden noch einige Natursteine, wegen der größeren Auswahl vom Hof Linnemann, heute Johannes und Christoph Gedding dazu geholt. Die Mauerarbeiten begannen am 18 August und endeten am 25 August 2017.

Werner Drüing beim Reinigen und Sortieren der Bruchsteine. Foto: Ludwig Drüing

Als Mauermörtel wurde Traßzementmörtel vor Ort hergestellt und die Fugenoberflächen direkt glatt abgestrichen. Der ca. 850 kg schwere Sturzstein wurde mithilfe des Radladers von Heinz Hellenkamp und dem Kranwagen der Fa. Heiming über der Tür verlegt.

Das Auflegen des Sturzsteins mithilfe des Kranwagens der Firma Heiming. Foto: Ludwig Drüing

Abschließend haben Werner und Ludwig Drüing am 2. September 2017 die obere Abdeckung des Mauerwerks aus Traßzementmörtel frostsicher hergestellt.
Der verzinkte Stahlwinkel wurde passend zum Naturstein von Josef Lobreyer farblich beschichtet. Maler- und Glasermeister Josef Lohbreyer reparierte, bzw. ersetzte auch kostenlos die im Laufe der Jahre teilweise erheblich beschädigte oder fehlende Naturglas-Verglasung der Tür.
Die Fa. Hermann Kruse arretierte die Tür oben und unten in leicht geöffneter Position.

Im Sommer 2018 wurden die Außenanlagen rund um das neue Bauwerk von der Fa. Gesing hergestellt. Die Anlagen- und Pflanzpläne hatte Dagmar Harks angefertigt. Einige Pflasterflächen, die nicht mehr benötigt oder in anderem Gefälle neu verlegt werden mussten, sind vorab von Ludwig Drüing, Johannes Heidermann , Bernhard Sender, Bernhard und Heinz Soppe und Werner Drüing aufgenommen und auf Paletten gestapelt worden.
Überwiegend wurden die alten Pflastersteine wiederverwendet.
Ein kleiner Teil der nicht mehr benötigten Pflasterfläche ist mit Mutterboden aufgefüllt und mit Rasen eingesät worden.
Um das Bauwerk „Alte Kirchentür“ sind Hochbeete aus Betonblöcken als Trockenmauerwerk im Verband versetzt worden.
Zwischen Ehrenmal und Friedhofszufahrt ist eine Pflasterfläche als zusätzlicher Parkplatz für sechs PKW hergestellt worden.
Weitere Beete mit einer Einfassung wie vor, sind in der Pflasterung und um die drei freistehenden Bäume neu angelegt worden.

Die fertigen – noch nicht bepflanzten – Anlagen. Foto: Pia Drüing

Die kleine Stufe vor der Eingangstüranlage der Friedhofshalle mit den Abtrittrosten sowie die Stufe vor den Toiletten sind aufgehoben und durch schräg im Gefälle verlegtes vorhandenes Beton-pflaster barrierefrei und behindertengerecht neu hergestellt worden.

Infolge der großen Trockenheit über den ganzen Sommer konnte die Bepflanzung der Hochbeete noch nicht erfolgen. Am Samstag, dem 17. November 2018 sind die Beete schließlich von sechs Mitgliedern des Kirchenvorstands (Johannes Böckenhoff, Peter Cosanne, Ludwig Drüing, Benedikt Frerick, Franz-Josef Schlecking und Karl-Heinz Vennhoff sowie den vier freiwilligen Helfern Theo Arentz, Johannes Heidermann, Bernhard Soppe und Franz Weßeling fachkundig bepflanzt worden.

Die gesamte Umgestaltung wurde mit Zustimmung des Kirchenvorstands von St. Laurentius Lembeck/Rhade aus Mitteln des Friedhofsetats finanziert, wobei erfreulicherweise durch die vielfältigen Eigenleistungen und Schenkungen erhebliche Einsparungen erzielt wurden.

Rund 47 Jahren nach der erstmaligen Gestaltung des Vorplatzes vor der Friedhofshalle hat die Qualität des Platzes sehr gewonnen.
Die architektonisch sehr ansprechende Friedhofshalle hat mit der „Himmelspforte“, wie sie auch genannt werden könnte, einen Gegenpol bekommen und gleichzeitig ist eine Verbindung zur Laurentiuskirche mit ihrer alten Formen- und Materialsprache – und zu dem vom gleichen Künstler entworfene Ehrenmal am Kirchturm – hergestellt worden.

Ehrenmal am Kirchturm Foto: Günter Risthaus

Die Gestaltung des Friedhofsvorplatzes wird abgerundet durch die von der Dorstener Ehrenbürge-rin Schwester Paula gestaltete Marienstatue rechts vom Friedhofseingang. Stein und Statue – aufge-stellt im Jahr 1995 – sind eine Schenkung der Familie Bernhard Loick, der von 1969 bis 1974 Bür-germeister der selbständigen Gemeinde Lembeck war.

Blick auf das Mauerwerk und auf die geöffnete Tür. Foto: Pia Drüing

Mit dem neuen Bauwerk, das man im Vorbeigehen nun von allen Seiten nach und nach im Detail betrachten kann, hat der Ort im Umfeld Friedhofshalle und Friedhof nochmals eine Bereicherung erfahren.

Detailaufnahme: Auferstehung. Foto: Pia Drüing

Es ist ein Geschenk anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Lembeck im Jahr 2017 sowie des 800-jährigen Jubiläums der Kirchengemeinde an alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde und an alle, die sich anlässlich von Beerdigungen, Grabpflege oder Besuch des Friedhofs in Lembeck aufhalten.

Großer Dank gilt allen, die aktiv mitgeholfen haben, aber auch denen, die mit Speis, Trank und Lob die Arbeiter unterstützt und gestärkt haben.

Wulfen und Lembeck im September 2018

Werner und Ludwig Drüing

Zeichnung: Theo Arentz

Auf dieser Zeichnung wird die enge Verbindung zwischen Ehrenmal und Tür deutlich gemacht.

Um diese inhaltliche Verbindung auch räumlich herzustellen, müsste das Ehrenmal vom bisherigen Standort an der Turmwand der St. Laurentiuskirche an der hohen weißen Wand an der Trauerhalle angebracht werden.

Ehemalige Kirchentür als Mahnmal für den Frieden

Als der Sendenhorster Künstler Bernhard Kleinhans im Jahr 1967 das tief beeindruckende bronzene Mahnmal gegen Unmenschlichkeit und Krieg gestaltete, und sein Werk an der Südseite des Turmes der Lembecker Pfarrkirche Platz fand, fertigte er gleichzeitig eine Bronzetür als Nebeneingang an der Westseite des Kirchturms.

Das Mahnmal an der Kirchturmwand. Foto: Günter Risthaus

Denkmal und Tür bildeten eine Einheit und gaben die gleichen Gedanken wieder.

Im Jahr 2006 wurde die Tür jedoch aus energetischen Gründen gegen eine einfache Holztür ausgetauscht.

An dieser Stelle im Lembecker Jubiläumsjahr 2017 neu aufgestellt, macht sie die den beiden Werken zu Grunde liegende Botschaft deutlich:

Hoffnung über den Tod hinaus

Das Denkmal an der Kirche weist auf die Begründung dieser Hoffnung hin:

Christus, der Auferstandene. Eindringlich und unübersehbar hält ein Soldat gleichsam sich schützend diesen geschundenen Christus vor sich, der seine Arme wie ein Siegeszeichen erhoben hat. Genau dieses Hoffnungszeichen finden wir in der Tür wieder und zwar in der kleinen Klinke in der Form eines Fisches.

Die von Sandsteinen aus der Hohen Mark umrahmte Kirchentür. Foto: Ludwig Drüing

Das griechische Wort für Fisch ἰχθύς (ichthýs) enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis und war das Geheimzeichen der frühen Christen. Es steht für die Anfangsbuchstaben von Iesous Christós Theoú (Gottes) Hyiós (Sohn) und Sotér (Erlöser)

Dieses Zeichen verdeutlicht, dass im Glauben an diesen Christus und in seiner Nachfolge der Zugang zu erlösendem Frieden über den Tod hinaus möglich ist.

Die durchscheinende Mitte der Tür, die noch vom Kreuz und mächtigen Metallflächen eingeengt ist, weist ebenfalls auf dieses Ziel hin.

So sind all diese Zeichen auf dem Denkmal und auf der Tür hier vor der Trauerhalle Mahnung und Hoffnung zugleich, wie die Worte auf dem Denkmal an der Kirche es ausdrücken:

Du sollst nicht töten
Tut Gutes
Trauert nicht wie die anderen,
die keine Hoffnung haben
Herr, gib Frieden

Die Verbindung zwischen der Tür und dem Denkmal ist nicht nur in theologischer Hinsicht gegeben, sondern auch in der gleichen Material- und Formgebung: künstlerisch gestaltete Symbole aus Bronze und Naturstein, einmal als feste Wand am Kirchturm und einmal in abgebrochener, gleichsam unvollendeter  Form hier an der Alten Kirchentür.

In diesem Sinne wird die Tür an dieser Stelle und auch in Verbindung mit den Kriegsgräbern auf unserem Friedhof zu einem Gesamtmahnmal des Friedens.

Links: Kriegsgräberstätte 2. Weltkrieg, Rechts: Die beiden Namentafeln der Gefallenen des 1. Weltkriegs und der Kriege davor. Foto: Guido Bludau

Auf unserer Kriegsgräberstätte ruhen 70 Kriegstote des 2. Weltkrieges: 62 deutsche, zwei ehemals sowjetische, zwei polnische, zwei jugoslawische, ein niederländischer und ein nicht identifizierter Soldat.

Außerdem sind in ihren jeweiligen Familiengräbern die Euthanasie-Todesopfer Wilhelm Loick und Josef Schwenk bestattet. Beide kamen im Oktober, bzw. im November 1943 in der  nationalsozialistischen Tötungsanstalt Hadamar ums Leben.

Die Marienstatue von Schwester Paula. Foto: Ludwig Drüing

Die Gestaltung des Friedhofsvorplatzes wird abgerundet durch die von Schwester Paula (Tisa von der Schulenburg) gestaltete Marienstatue. Stein und Statue – aufgestellt im Jahr 1995 – sind eine Schenkung der Familie Bernhard Loick, der von 1969 bis 1974 Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Lembeck war.

Text: Theo Arentz und Ludwig Drüing

Alte Kirchentür wurde Sonntag am Friedhof eingeweiht