Laurentiusschule – St. Laurentius Hauptschule

Die Geschichte der St. Laurentiusschule Lembeck

Laurentiusschule Lembeck
Die St. Laurentiusschule. Fotos & Fotocollage: Frank Langenhorst

Über die Anfänge schulischer Unterweisung liegt das Dunkel der Geschichte, es gibt keine schriftlichen Informationen. Wir können aber davon ausgehen, dass es in den Zeiten, als Gemeinden entstanden (ca. 8./9. Jh.), nur Priester als Lehrer die zum Christentum bekehrten Heiden über den Glauben unterwiesen. Erst in späteren Jahrhunderten übernahmen es der Küster und wohl auch dazu befähigte Bauern und Handwerker als Nebentätigkeit, den Kindern
das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.
Von einer schulischen Unterweisung gibt zum ersten Mal eine Urkunde schriftliche Hinweise. Am 03. Juni 1678 gründete der Graf von Westerholt für die Schulen in Wulfen und Lembeck eine Stiftung als Dauerzuwendung für schulische Bildung.
Der Schulraum soll sich auf dem Schloss Lembeck neben der heutigen Rentei befunden haben. Wer den Unterricht erteilte, ist unbekannt. Der Schulbesuch war freiwillig und wegen des kleinen Raumes konnten nur wenige Schüler daran teilnehmen. Diese Angaben macht Hauptlehrer Wiemeyer im
Heimatkalender 1928. Zu Anfang des 19. Jh. fand der Unterricht im Wohnhaus des Schreinermeisters Mast statt, das unmittelbar am Kirchplatz lag. Natürlich konnten auch hier nur wenige Schüler das Schreiben und Lesen erlernen, und jeder Lembecker, der es konnte, rühmte sich noch in alten Tagen seiner Kunst.

Erst seit 1820 gab es ein eigenes Schulgebäude an der Schulstraße, das über zwei Klassenräume verfügte und in denen die Kinder, nach Geschlecht getrennt, unterrichtet wurden. Der Lembecker Landwirt und Weber Sieverding war der erste, namentlich genannte Lehrer, der diese Tätigkeit im Nebenberuf
ausübte. Ihm folgte Lehrer Plagge als erster seminaristisch ausgebildeter „Schulmann“. Als in den achtziger Jahren des 19. Jh. die Räumlichkeiten für die zunehmenden Schülerzahlen zu klein wurden, errichtete man 1891 die Schule auf der Beck und 1906 die Schule in Wessendorf, und wegen der weiterhin wachsenden Schülerzahlen schließlich 1912 die Schule in Endeln.

Laurentiusschule Lembeck
Das erste Gebäude der Laurentiusschule mit dem Lehrerhaus (jetzt Lebenshilfe) rechts.

Schon 1923 begann man mit den Planungen einer neuen Schule im Dorf, da das alte Gebäude den Ansprüchen der damaligen Zeit nicht mehr genügte. Wegen der Wirren des Krieges und der Folgejahre schob man das Bauvorhaben aber immer wieder hinaus. Als aber endlich am 13. Dezember 1927, also vor mehr als 90 Jahren die neue Laurentiusschule eingeweiht wurde, feierte die ganze Gemeinde ein Fest, an alle Lehrer und Schüler der Bauernschafts- und Nachbarschaftsschulen teilnahmen. Geradezu überschwänglich berichten die Ruhr-Nachrichten über alle Einzelheiten dieses Festtages. In dem neuen Gebäude befanden sich neben den vier Schulräumen ein großer Saal, ein Konferenzzimmer und im Keller eine „mustergültige Badeanlage“. Der Schule war eine Dienstwohnung angegliedert und in einem Nebengebäude befanden sich zwei Lehrerwohnungen.

Aber schon 1933 bestand wieder Platzmangel, darum ließ Schulleiter Storck im Söller (Dachboden) der Schule zwei Klassenräume ausbauen.
1939 musste die Laurentiusschule auf Anweisung der Nationalsozialisten ihren Namen ändern. Sie hieß jetzt „Dorfschule“. Zwischen 1943 und 1945 beschlagnahmte das Militär zeitweise die Klassenräume und ab Dezember 1944 wurde eine Schließung unumgänglich. Die Schulräume dienten als Lazarett. In dieser Zeit erhielten die Schüler notdürftigen Unterricht in Ausweichräumen beim Gastwirt Bernhard Langenhorst und Bauer Heinrich Hellenkamp auf dem Brink. Am 28. März 1945 rückten die Engländer ein, besetzten die Schule und benutzten sie als Dienstgebäude. Erst am 17. September 1945 öffnete
die Schule wieder ihre Pforten.

In den Nachkriegsjahren, besonders Ende der 50er Jahre, wurde die allgemeine Situation an den Volksschulen und so auch in Lembeck zu einem großen Problem. Es fehlten Lehrer und das notwendige Raumangebot für die wachsenden Schülerzahlen. Im Juli 1959 titelte die Lokalpresse: „In Dorsten
gibt es noch Klassen mit über 60 Schülern“. Die Messzahl von 42 Schülern pro Klasse wurde auch in Lembeck in einigen Klassen weit überschritten.
So war der Beschluss einer Schulerweiterung 1963 überfällig. Erst als am 20. Dezember 1968 der Erweiterungsbau eingeweiht werden konnte, war das Raumangebot für die jetzt nach dem neuen Schulsystem entstandene „Hauptschule“ mehr als notwendig.
Wenn auch die ersten vier Jahrgänge ab jetzt in der neu entstandenen „Grundschule“ (s. Chronik der Don-Bosco Schule) unterrichtet wurden, stieg die Schülerzahl von 359 im Schuljahr 1967/68 auf 442 Schüler im Schuljahr 1968/69, da ja ab jetzt auch die Schüler der Bauernschafts-Schulen die Laurentiusschule besuchten.

Als im Jahre 1970 der Beschluss gefasst wurde, dass auch die Hauptschüler aus Rhade die Laurentius-Hauptschule besuchen sollten, war die neuerlich entstandene Raumnot ein Dauerproblem und es vergrößerte sich noch, als 1979 das 10. Schuljahr eingeführt wurde. „Wir fühlen uns als Stiefkinder Dorstens“, mit dieser Äußerung machten die Schüler der Klasse 9a der Laurentiusschule auf einer Sitzung des Schulausschusses 1980 ihrem Ärger Luft. Fachräume wurden zum Teil als Klassenräume benutzt und Unterricht fand teilweise in Kellerräumen statt.
Obwohl sich der Rückgang der Schülerzahlen in dieser Zeit schon deutlich abzeichnete, war wegen der aktuellen Zustände ein weiterer Erweiterungsbau unumgänglich. Und so konnte nach Jahren der Planung und Bauzeit im Herbst 1985 der Neubau mit Fach- und Verwaltungsräumen, mit Mediathek, Konferenz- und Lehrerzimmer eingeweiht werden.

Heute, nach ca. 30 Jahren hat sich äußerlich an der Schule mit ihren drei Gebäudekomplexen nichts verändert, und sie gehört ganz selbstverständlich zum Dorfbild. Über Schulisches hinaus war sie Ort vieler Aktivitäten. Die Blaskapelle Harmonie und der Spielmannszug haben hier ihre Übungsräume, die Vorparade des Schützenfestes fand auf dem Schulhof statt, und alljährlich versammelten sich die Kinder zum Nikolauszug auf dem Schulhof.

Die Schullandschaft änderte sich in dieser Zeit allerdings grundlegend: Die Schülerzahlen sanken aufgrund des allgemeinen Geburtenrückgangs, allerdings noch verstärkt durch eine immer geringere Akzeptanz der „Hauptschule“. So konnten die ursprünglich dreizügig geführten Jahrgänge nur noch zweizügig werden, bis die Klassenstärken auch dafür nicht mehr reichten. So musste die Laurentiusschule im Jahr 2014 ihre Lehrtätigkeit aufgeben.

Zum Glück gibt es heute im Ort eine große Interessentengruppe, das Schulgebäude lebendig zu erhalten (s. dazu den Beitrag von Joachim Thiehoff „Porte Lembeck“). Als im Herbst 2015 wegen des Flüchtlingsstroms auch in Lembeck nach Notunterkünften gesucht wurde, boten die leerstehenden Klassenräume eine geeignete Aufnahmemöglichkeit und so füllten sich die Räume wieder mit Leben (s. den Beitrag von Katja Breuer zum Thema „Flüchtlinge in Lembeck/Rhade“).
Theo Arentz

Die Schulleiter der Laurentiusschule Lembeck

Schulleiter der Volksschule Lembeck
Conrad Wiemeyer 1855 – 1885
Friedrich Wiemeyer 1885 – 1924
Franz Schenuit 1925 kommissarischer Leiter
August Storck 1925 – 1945
Lehrerin Pöter 1945 – 1949 kommissarische Leiterin
August Storck 1949 – 1958
Johannes Gramse 1958 – 1964
Erich Wolf 1964 – 1990 seit 03.02.1966 erster Rektor

Rektoren und Konrektoren der Hauptschule
Erich Wolf 1966 – 1990
Heinz Scherf 1962 – 1997 Konrektor
Günter Lakenbrink 1999 – 2001 Konrektor
Gerhard Wülbeck 1990 – 2000
Günter Lakenbrink 2000 – 2001 kommissarischer Schulleiter
Günter Lakenbrink 2001 – 2014
Volkar Schäpers 2002 – 2005 Konrektor
Axel Barkowsky 2006 – 2008 Konrektor
Peter Washausen 2011 – 2012 Konrektor

Fotogalerie der Laurentiusschule

 

 

1+