Heimatmuseum: Neues Team hat viel vor

Lembeck. Traditionell am Karfreitag startet das Heimatmuseum des Lembecker Heimatvereins in die neue Saison. In der Ausstellung im Dachgeschoss des Barockschlosses änderte sich über die Winterpause zwar nur wenig, dafür geschah personell und in der Organisation eine Menge. Leider auch Trauriges.

Foto: Andreas Rentel / WAZ
Foto: Andreas Rentel / WAZ

„Das vorige Jahr war eines unserer schwierigsten“, gibt Michael Langenhorst zu. Bewährte Helfer hörten aus Altersgründen auf, aber vor allem der Tod von Heinz Liesen riss eine große Lücke. Viele Aufsichten übernahm der Lembecker, seine fachkundigen Führungen fehlen sehr.

„Es war schwierig, erstmal neue Leute zu finden“, so Langenhorst. Der scheidende Museumswart wertet es als „Hochleistung“, dass es gelang, die Liste für die nötigen Aufsichten zu schreiben. Auf Redner können die Ehrenamtlichen verzichten, sie brauchen Leute, die anpacken.

Das macht zum Beispiel Josef Lohbreyer („unser wichtigster Mann“). Der Maler- und Glasermeister leistet auch schwierige Reparaturen. Langenhorst deutlich: „Er ersetzt zehn andere Leute.“ Trotz dieses großen Einsatzes sind alle Beteiligten froh, dass das Museumsteam aktuell 30 Köpfe zählt. Dazu gehört auch Alois Bruns, der sich als neuer Museumswart vor allem um die Organisation kümmert. Das Talent dazu bewies er kürzlich, als es galt, einen alten Schrank an den Heimatverein Wulfen zurück zu geben und Ersatz ins historische Dachgeschoss hinauf zu schleppen.

Langenhorst, der wegen beruflicher Belange etwas kürzer tritt, zum Miteinander: „Die Zusammenarbeit läuft wirklich prima. Wir haben die Arbeit gut und auf viele Schultern verteilt.“ (Wieder) neu im Team ist Manfred Steiger; er will sich ums Archiv kümmern. Da gebe es einiges aufzuarbeiten, etliche Schätze zu bergen und es gelte, „Ordnung zu schaffen“.

Bei den Exponaten setzen die Heimatfreunde lieber auf Schenkungen als auf Leihgaben. „Viele erkennen den Wert der Sachen“, so Langenhorst. Und dieses Wissen mache dann sehr teure Versicherungen nötig. Die sogar den finanziellen Rahmen des „gesunden Vereins“ schnell sprengen könnten. Alte Uhren werden zum Beispiel zügig wertvoll. Auch profanere Stücke sorgen für Staunen: Vor der quietschgrünen Adler-Schreibmaschine stand neulich ein Kind und wollte wissen, wie dieser Computer funktioniert, erzählt Langenhorst schmunzelnd.

An neuen Projekten und Ideen herrscht kein Mangel, nur die richtigen Leute müssen her: So möchte der Verein digitale Bilderrahmen anschaffen, die auch Jüngere ins Museum locken sollen. Bis zu zehn Stationen (Beispiel: Landwirtschaft) will das Team derart gestalten und anschaulich machen. Denn: „Jüngere können sich schlecht mit dem Begriff Heimatmuseum identifizieren.“ Alte Filme zeigen oder einige der fast 6000 Exponate in Bild und Text darstellen heißen die Chancen.

In den nächsten Monaten wird eine Sonderausstellung mit allen Museen und Archiven im Vest Recklinghausen Thema, an der sich auch die Lembecker beteiligen wollen. „Ein Exponat in den Vordergrund stellen“, laute eines der Ziele, im nächsten Frühjahr soll es soweit sein. Das Team bleibt bestrebt, seinen Gästen möglichst stets etwas Neues zu präsentieren. „Es ist wichtig darzustellen, dass hier etwas passiert.“ Auch wenn dies im Winter nur bedingt gelang: Im Schloss finden die Besucher nach wie vor ein Museum zum Anfassen und Ausprobieren.

Andreas Rentel / WAZ

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