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Lembeck – Der 20. Porteabend am Dienstagabend (25.02.2020) im ehemaligen Lehrerzimmer des Vereinshauses bot Einblicke in die Zukunft des Dorstener Nordens. Auch kamen laufende und geplante Projekte zur Sprache, wie z.B. das “Plätzchen” und der geplante Wiederaufbau der alten Dorfpumpe.

20. Porteabend im Lembecker Vereinshaus. Foto: Lembeck.de – Frank Langenhorst
Joachim Thiehoff

Mit rund 50 Besuchern wurde es schon etwas eng im ehemaligen Lehrerzimmer des Vereinshauses, dem Gebäudeteil C der ehemaligen Laurentiusschule. Joachim Thiehoff begrüßte um kurz nach halb 8 die interessierten Teilnehmer und zog eine kurze Bilanz der letzten 19 Porteabende, die im April 2014 an der Ursulastraße in Dorsten mit der Lembeckerin Marion Taube begannen. Die Stadtteilkonferenzen sind seitdem in Dorsten zur politischen Größe gewachsen und die größte Teilnehmerzahl einer abendlichen Konferenz konnte bisher im Marienviertel ausgemacht werden. Die Stadtteilkonferenzen wie z.B. die Lembecker Porte, wollen Ideen bündeln und fördern. „Ihr könntet mal…“ oder „Ihr müsstet mal…“ sind hier falsche Ansätze. Ideen und Projekte können nur von Leuten ausgeführt werden, die sich auch selber dafür einsetzen. Eine größtmögliche Unterstützung von Stadt und Mitbürgern wird garantiert.

20. Porteabend im Lembecker Vereinshaus. Foto: Lembeck.de – Frank Langenhorst

Vorstellung des Projekts „Freiraum“ der Caritas Dorsten

Sabine Cremer

Sabine Cremer vom Dorstener Caritasverband stellte das Projekt „Freiraum“ vor. Es ist ein fachbereichsübergreifendes Angebot verschiedener Fachdienste des Caritasverbandes für das Dekanat Dorsten und umfasst unter anderem Sucht- und Drogenhilfe, Hilfe für psychisch kranke Menschen sowie Kinder- und Jugendhilfe. Das Projekt wurde in Abstimmung mit dem Jugendamt der Stadt Dorsten und in enger Kooperation mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Recklinghausen entwickelt.

Gemeinsames Ziel des Freiraum-Projektes ist ein niedrigschwelliges und kostenloses Präventionsangebot um eine gesunde Entwicklung von Kindern psychisch und/oder suchtkranker Eltern zu unterstützen. Alleine im Raum Dorsten sind etwa 5000 Kinder (bis 17 Jahre) betroffen, so Sabine Cremers. Sie stellt derzeit in allen Dorstener Stadtteilkonferenzen das Projekt vor und hofft auf langfristige finanzielle Unterstützung. Für die kommenden drei Jahre hält sich das Projekt durch Zuschüsse eines bewilligten Förderantrages bei der Aktion Mensch über Wasser.

Thomas Weßeling berichtet über laufende Projekte des Heimatvereins

Thomas Weßeling

Wie bereits auf Lembeck.de ausführlich berichtet, wird das Bauernhausprojekt am Lembecker Heimathof in Kooperation mit dem Heimatverein Lembeck 1922 e.V. und den Oldtimerfreunden realisiert. Mit dem in Lasthausen abgebauten und am Heimathof neu aufgebauten Fachwerkhaus wird, so der 1. Vorsitzende des Heimatvereins, eine Lücke geschlossen und die Lembecker Zeitgeschichte für kommende Generationen dargestellt.

Rund 1800 ehrenamtliche Arbeitsstunden von einer Arbeitsgruppe des Heimatvereins mit einem Altersdurchschnitt von 75 Jahren hat das Bauernhausprojekt schon verschlungen. Ein willkommenes Highlight für den Heimatverein und den Oldtimerfreunden war der Besuch der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach. Diese kam am 17. Juli 2019 zum Lembecker Heimathof und überreichte dem Vorsitzenden Thomas Weßeling persönlich die Zusage für die Förderung des Bauernhauses i.H.v. 238.500 Euro. Seitdem ist das Kostenrisiko getilgt und auch Firmen aus Lembeck und Umgebung konnten beauftragt werden. Eine Fertigstellung und Vorführung des Bauernhauses strebt der Heimatverein zum Jubiläumsjahr 2022 (100 Jahre Heimatverein Lembeck) an.

20. Porteabend im Lembecker Vereinshaus. Foto: Lembeck.de – Frank Langenhorst

Der neue Bürgertreff nimmt Form an

Susanne Schönrock-Klenner, Ursula Küsters sowie Bärbel und Udo Zielinski sind das Team des Bürgertreffs (ehemaliges Lehrerzimmer). Hier hat sich aktuell einiges getan: Die kleine Küche wurde durch neue Einbaugeräte wieder funktionstüchtig gemacht und mit Hilfe der Gartenbaufirma Hoffmann, der Gartenbau-Ingenieurin Dagmar Harks und etlichen Helfern des Teams und der benachbarten Diakonie konnte der trostlose und zugewucherte Vorgarten des Vereinshauses wieder hergerichtet werden.

Eine rote Zweisitzer-Metallbank und ein passender Tisch, an dem auch mehrere Leute Platz nehmen können, sind in Planung. Die Kosten für Pflanzen, Bänke und Gartengeräte zum Harken und Hacken belaufen sich auf rund 2000 Euro. 1500 € wurden im Zuge des Bürgerbudgets beantragt und am Porteabend einstimmig bewilligt. Hier durften alle die in Lembeck wohnen oder arbeiten abstimmen. Die restlichen 500 Euro werden von der Volksbank in der Hohen Mark eG gespendet.

Planungen im Dorfkern stoßen auf riesiges Interesse

Dorfbrunnen, Dorfpumpe, LembeckKatja Breuer und Dagmar Harks berichteten über verschiedene Aktionen der Bereiche „für Schön“ und lobten das große Interesse des von Wibke Cosanne spontan organisiertem Adventssingen auf dem Kirchplatz. Die aktuellen Planungen des „Plätzchen“ in der Dorfmitte wurde von beiden nochmals genau vorgestellt und bekamen große Aufmerksamkeit. Ein großer Wunsch vieler Lembecker ist es, die alte Dorfpumpe am Plätzchen wieder aufzubauen. Diese stand in etwa von 1910 bis 1927 an der Stelle der jetzigen überdachten Bushaltestelle und wurde 1927 mit Reststeinen der Laurentiusschule neu aufgebaut. 1967 wurde das geklinkerte Pumpenhäuschen dann aus Sicherheitsgründen abgerissen und das Bohrloch zugeschüttet.

Hermann Bügers sen., so berichtete Egon Cosanne, hatte schon vor dem Bau des jetzigen Dorfbrunnens am Kirchplatz die Idee, das alte Pumpenhäuschen an ursprünglicher Stelle wieder aufzubauen. Aufgrund von verkehrstechnischen Bedenken – das Pumpenhäuschen könnte die Sicht von der Bahnhofstraße auf die Wulfener Straße für Autofahrer beeinträchtigen – verwarf man das Vorhaben und konzentrierte sich auf den 1984 gebauten Dorfbrunnen am Kirchplatz.

Im Jahre 2010 hat sich der CDU-Ortsverband mit dem Thema nochmals beschäftigt und es wurde auch eine maßstabgerechte Zeichnung der Dorfpumpe erstellt (siehe Forum). Aktuell wird geprüft, ob die jetzige Bushaltestelle versetzt und bestenfalls auch verschönert werden kann. Ludwig Drüing berichtete von deutlich schöneren Bushaltestellen im Münsterland und bemerkte auch, dass der Briefkasten am Plätzchen äußerst ungünstig steht. Hierfür hat er die zuständige Post schriftlich kontaktiert und in einem Antwortschreiben versprach man eine örtliche Prüfung.

Hoffnung für den Ausbau des Fahrradweges entlang der Schlossallee

Seit genau 30 Jahren existiert der Fahrradweg, der von LIG-Gründer Josef Elvermann und Graf Ferdinand von Merveldt entlang der Wulfener Straße, von der Einmündung der Umgehungsstraße L 608 bis hin zum Schloss, angelegt wurde. Der Weg führt über die Grundstücke von Graf Merveldt und wird bis heute von der Lembecker Interessengemeinschaft (LIG) gepflegt. Egon Cosanne berichtete am Porteabend über Pläne, dass der Radweg möglicherweise von Straßen.NRW in geteerter Form ausgebaut wird. Hierfür hat er vor einigen Wochen Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) angeschrieben und ist über Umwege beim Landesbetrieb Straßen.NRW gelandet. Zur Sicherheit – und das wäre auch die Voraussetzung für jegliche Investition – hat Graf Merveldt eine lebenslange Nutzung in Aussicht gestellt. Bürgermeister Stockhoff räumte ein, dass es einfacher sei, mit nur einem Grundstückseigentümer zu verhandeln. „Entlang der B 58 zwischen Deuten und Wulfen gibt es etliche Grundstückseigentümer.“ Die jetzige sandige Radstrecke ist problematisch bei Begegnungsverkehr und schlechtem Wetter.

Bürgermeister stellt Dorfentwicklungskonzept vor

BM Stockhoff

Gegen 20.30 Uhr kam dann Bürgermeister Tobias Stockhoff nach einem Termin in Altendorf Ulfkotte zum Porteabend nach Lembeck. Hierfür reiste er vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt seines “Regierungsbezirkes”. Ausführlich erklärte er das hoch dotierte Dorfentwicklungskonzept, welches nach dem Stadtumbau West in Wulfen, der sozialen Stadt Hervest und dem aktuellen Ausbau der Altstadt auch den Dorstener Norden (Lembeck und Rhade) zukünftig berücksichtigt. Hier können neben dem Regionalbudget von Vital NRW durch Förderanträge zukunftsorientierte Projekte finanziert werden.

Die beiden nördlichsten Ortsteile der Stadt sind von ihren Strukturen recht ähnlich und sollen ab 2021 weiterentwickelt und aufgewertet werden. Das Ziel ist es, die Dörfer langfristig zukunftssicher zu machen. „Wir möchten die dörflichen Strukturen fördern. Denn auch hier gibt es Herausforderungen, die sich natürlich von denen im urbanen Bereich erheblich unterscheiden“, sagte Tobias Stockhoff. „Es ist gut, dass die Dörfer jetzt an der Reihe sind und wir durch die Stadtverwaltung professionelle Begleitung bei der Entwicklung unserer Ideen erfahren“, betonte etwa Stefan Risthaus als Vertreter der Lembecker Stadtteilkonferenz Porte.

Dass der Startschuss 2021 fallen soll, ist kein Zufall. Viele Maßnahmen des Stadterneuerungsprogramms „Wir machen Mitte“, durch das seit fünf Jahren vorrangig die Dorstener Innenstadt enorm aufgewertet wird, werden Ende 2022 abgeschlossen sein. Bis dahin binden sie noch personelle Ressourcen in der Verwaltung.

Die Planungen für die integrierte Dorfentwicklung sollen allerdings schon in diesem Jahr beginnen. Besonders unter die Lupe genommen werden sollen neben den Bereichen Wohnen, Verkehr und Versorgung auch die Themen Soziales, Kultur, Umwelt, Digitalisierung und Landwirtschaft. Sowohl für Lembeck als auch für Rhade soll nach der Vorbereitungsphase je ein Leitbild stehen. Erste „Workshops“ zur Stadtentwicklung sollen am 22.04. in Rhade und am 24.04.2020 in Lembeck stattfinden.

06.02.2020 (Bericht & Fotos) – Lembeck.de – Frank Langenhorst

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