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Lembeck – Die vor 11 Jahren am Dorfbrunnen aufgestellte Geschichtstafel endet noch im Jahr 2007. In den nächsten Tagen wird diese durch eine Neue ersetzt, die auch das Jubiläumsjahr (2017) berücksichtigt. Ein zusätzlich angebrachter QR-Code soll dann Besucher auf eine ausführlichere Version führen. Auf Lembeck.de ist das bereits handyoptimiert und barrierefrei mit zurzeit 117 chronologisch sortierten Einträgen, teils mit Begleitbild realisiert worden.

v.l.: Sabine Fischer (Stadtagentur), Ursula Küsters, Peter Günther, Ludwig Drüing, Dieter Steven, Rolf-Helmut Michalak, Bürgermeister Tobias Stockhoff, Hans-Jochen Schräjahr, Dr. Josef Ulfkotte und Dr. Edelgard Moers. Foto: Lembeck.de – Frank Langenhorst

Zum heutigen Pressetermin haben sich die Initiatoren und Macher der Geschichtsstationen mit Vertretern der Porte und Bürgermeister Tobias Stockhoff an der „30. Geschichtsstation“ in Lembeck zusammengefunden. Anschließend wurden die aktuellen Projekte im Lehrerzimmer der ehemaligen Laurentiusschule umfangreich vorgestellt.

Nachdem Bürgermeister Stockhoff ein lobendes Dankeschön an alle Beteiligten aussprach, schätzte er die Aktionen aller Geschichtstafeln im Stadtgebiet als „große Bereicherung für Dorsten“ ein. Die Übersetzungen für das Modell Mehrsprachigkeit der Geschichtstafeln haben für die Lembecker Geschichtstafel angefertigt: Wieslawa  Siegner (Polnisch), Ludwig Drüing (Englisch, Niederländisch), Rolf-Helmut Michalak (Französisch). Für weitere Übersetzungen hoffen die Verantwortlichen noch auf freiwillige Übersetzer aus den Dorstener Stadtteilen. 

Gemeinsame Sache

Die Errichtung der Geschichtstafeln im Raum Dorsten ist ein Gemeinschaftsprojekt des Lions-Club Dorsten-Hanse, mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde und mit der Stadt Dorsten. Im Jahre 2001 konnte die Stadt Dorsten auf die 750. Wiederkehr der Stadtgründung durch den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden zurückblicken. Im Vorfeld dieses Stadtjubiläums hatte der Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten e. V., gegründet 1888, die Herausgabe einer modernen Stadtgeschichte angeregt, die insbesondere das 19. und 20. Jahrhundert in den Blick nehmen sollte. Diese Anregung scheiterte, weil sich im Rat und bei der Verwaltung aus vornehmlich finanziellen Gründen dafür keine Unterstützung fand.

Stattdessen kam der Gedanke auf, ausgewählte Bereiche der Stadtgeschichte aufzuarbeiten und als Geschichtstafeln im öffentlichen Raum zu präsentieren. Auf der Suche nach geeigneten Vorbildern im Ruhrgebiet und im Münsterland fanden die Teilnehmer einer Erkundungstour keine überzeugende Lösung, sodass in einem kleineren Kreis interessierter Bürgerinnen und Bürger intensiv über eine für Dorsten geeignete Form nachgedacht wurde. Schließlich einigten sich die Beteiligten auf den Vorschlag, unter dem Titel Dorstener Geschichte einzelne Stationen vorzustellen, die einem bestimmten Thema, Ort oder Ereignis gewidmet sein sollten.

Alle relevanten Informationen und Bilder finden auf einer Glasplatte Platz, die wiederum auf einen etwa 1,80 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Stahlrahmen montiert wird. Die so gefertigte Geschichtsstation sollte dann freistehend an einem bestimmten Ort im Stadtgebiet einbetoniert werden oder – in verkürzter Form – ihren endgültigen Platz an einer (Gebäude-)Wand finden. Nach diesem Grundmuster sind bis über vierzig Stationen Dorstener Geschichte entstanden.

Die Geschichts-AG am Gymnasium Petrinum bereitete zahlreiche Themen inhaltlich auf. So fanden die Schüler einen Bezug zu der wechselhaften Vergangenheit ihrer Heimatstadt Dorsten. Das Stadtarchiv und der Verein für Orts- und Heimatkunde prüften die Ergebnisse und stimmten sie mit weiteren externen Experten ab. Der Stadt (VHS/Amt für Kultur und Weiterbildung) fiel die Aufgabe zu, die Realisierung der Geschichtsstationen zu koordinieren und die erforderlichen baulichen Maßnahmen durchzuführen.

Die technische Umsetzung mit Sicherheitsglas

Die technische Umsetzung (Grafik, Druck) erfolgte zunächst durch eine Dorstener Firma und später auf ehrenamtlicher Basis durch ein Mitglied des Lions Clubs Dorsten-Hanse. Als Informationsträger für den Druck diente eine Folie, die hinter der Glasplatte aus 8 Millimeter VGA Sicherheitsglas aufgebracht wurde. Nach einigen Jahren mussten erste Glasplatten ausgetauscht werden, da diese Folie nicht immer den Witterungseinflüssen Stand hielt. Da war es eine innovative Weiterentwicklung, die Druckfolie zwischen zwei jeweils 4 Millimeter starken Glasplatten anzubringen, die zusammengeschweißt werden und so dem “Zahn der Zeit” keine Möglichkeit der Verwitterung mehr erlauben.

Zur Eröffnung der einzelnen Geschichtsstationen lud der Bürgermeister neben den jeweiligen Sponsoren alle heimatverbundenen Vereine und die Vertreter der im Rat vertretenen Parteien ein, die diese Gelegenheiten gern wahrnahmen, um sich im Anschluss an den offiziellen Teil über aktuelle Fragen und Vorhaben auszutauschen.

Die ausführliche Berichterstattung in der lokalen Presse hat ganz erheblich dazu beigetragen, das Projekt Geschichtsstationen in Dorsten als Bürgerprojekt zu etablieren. Der Lions Club Dorsten-Hanse begleitete das lokale Geschichtsprojekt von Anfang an – ideell und materiell – und trug so wesentlich mit dazu bei, dass es eine große Akzeptanz in der Bürgerschaft fand. So konnten immer wieder neue Sponsoren gefunden werden, die das Projekt finanziell absicherten, sodass es bis heute kontinuierlich weitergeführt werden konnte. Der Volksbank Dorsten als Hauptsponsor sind alle Beteiligten zu besonderem Dank verpflichtet. Form der Schatzsuche, die sich nur mit den Inhalten dieser Tafeln lösen lassen.

Darüber hinaus hat die Volksbank die Herausgabe einer Radwanderkarte entlang der Dorstener Geschichtsstationen ermöglicht, die aber inzwischen vergriffen ist. Eine Neuauflage von verschiedenen Strecken als touristische Stadtinformation mit zielgruppenorientierten Hinweisen speziell auch für die zahlreichen Besucher des großen Wohnmobilhafens ist geplant. Begehungen der historischen Altstadt und 4 Radstrecken von 20 – 70 km Länge sind bereits im Internet verfügbar und können über QR-Codes aufgerufen werden, die an den Geschichtsstationen angebracht wurden.

Aber auch andere Nutzer machen sich mit den Geschichtsstationen bekannt. So gibt es im Stadtgebiet einige Aufgaben für das Geocashing, einer modernen Form der Schatzsuche, die sich nur mit den Inhalten dieser Tafeln lösen lassen.

Eigentlich hätte das Projekt 2009/10 beendet werden sollen. Es fanden sich jedoch bis in die Gegenwart weitere Themen und Sponsoren, die eine moderate Fortsetzung ermöglichten. Die bisher erstellten 40 Stationen Dorstener Geschichte sind im Internet abrufbar unter www.lions-dorsten-hanse.de, die ausführliche Lembecker Version auf https://www.lembeck.de/lembeck-von-a-bis-z/chronik-lembeck-von-1017-bis-heute

Was ist ein „QR-Code“?

Kurz gesagt, ist ein QR-Code eine Grafik, die z.B. mit der Handykamera abfotografiert werden kann und direkt zu einer Themenseite im Internet führt. Wichtig ist hier, dass die aufgerufene Internetseite – wie z.B. Lembeck.de – handyoptimiert programmiert wurde. Diese Darstellungsoption sollte barrierefrei sein und wird in der Regel von aktuellen Internetseiten automatisch generiert.

Wie bereits oben erwähnt, ist die ausführliche Lembecker Chronik mit zurzeit rund 117 Einträgen auf „Lembeck von A bis Z“ zu finden. Diese ausführliche Chronik wurde vom Lembecker Hugo Hölker Anfang der 1980er Jahre in mühevoller Arbeit zusammengestellt und ist von Lembeck.de bis heute erweitert worden. Momentan wird die Übersetzung noch elektronisch durch den Google-Translator in alle Weltsprachen übersetzt, was natürlich nur bedingt verständlich ist. Hier wäre eine direkte Übersetzung von Menschenhand besser, wenn auch aufgrund der Menge an Text und allen Sprachen kaum realisierbar.

Weitere QR-Codes sind in Lembeck geplant und auch Vorlesefunktionen für absolute Barrierefreiheit werden auf vielen Themenseiten von Lembeck.de folgen.

30.09.2019 – Lembeck.de – Frank Langenhorst & Lions-Club Dorsten-Hanse