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Lembeck – Der Nord- oder auch Krankenhausflügel des Michaelisstiftes wird gerade abgerissen. Das historische Vorderhaus und die Kapelle bleiben stehen. In unserer Fotogalerie von 2016 bieten wir einen letzten Blick ins Haus.

Michaelisstift, Abriss
Fotos / Collage: Lembeck.de – Frank Langenhorst

Der Bagger hat bereits damit begonnen, den rot verklinkerten Anbau im Nordbereich abzureißen. Dieser Gebäudeteil diente ursprünglich (zusammen mit dem Vorderhaus) als Kranken- und Waisenhaus und beherbergte den ersten elektrischen Aufzug in Lembeck. Der Nordflügel stand nicht unter Denkmalschutz und der Antrag zum Abbruch wurde inklusive Entsorgungskonzept bereits im Mai bei dem Bauordnungsamt eingereicht und auch genehmigt.

Seit dem Umzug der Karmelitinnen (2013) nach Hannover ist die Eigentümergesellschaft „St. Michael GmbH“ bemüht, eine Nutzungsmöglichkeit für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeteile zu schaffen. Seit dieser Zeit konnte lediglich eine Flüchtlingsunterkunft realisiert werden.

In einer Pressemitteilung schreibt die St. Michael GmbH, dass im Vorderhaus fünf Mietwohnungen entstehen sollen und der Bauantrag dafür gestellt wurde.

„Da nicht alle Flächen genutzt werden können und die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäudeteile  im Vordergrund stehen, wurde beschlossen, den nicht denkmalgeschützten Anbau im hinteren Bereich abzubrechen“.

Die Geschichte des Hauses

Das Michaelisstift wurde nach dem Tod (1702) von Freiherr Dietrich Adolft Conrad von Westerholt Hackfurt zu Lembeck, als gräflicher Witwensitz der Witwen Merveldt und soziale Stiftung für die Baronin von Westerholt in der Bauernschaft Endeln erbaut. Die Erbtochter heiratete 1709 den Freiherrn Theodor Ferdinand Dietrich von Merveldt.

Die Witwe des letzten Westerholt auf Lembeck und Schwiegermutter des ersten Merveldt, Freifrau Maria Anna Theodora geborene Freiin von Wallbot-Bossenheim zu Gundenau, wohnte auf dem Gut Hagenbeck bei Holsterhausen und leitete von dort aus die ihr hinterlassenen Güter. Die von der Witwe geplante und vom Baumeister Johannes Conrad Schlaun erbaute Kapelle wurde im September 1727 eingeweiht.

Die von der Witwe 1738 entworfene Michaelisstiftung sah vor, dass der Witwensitz auch anderen Familienangehörigen im Krankheitsfall als Domizil dienen sollte. Außerdem konnten fünf Witwen, ledige Töchter oder „verschämte Arme“ unterstützt und fünf Waisenkinder aufgenommen und zur Schule geschickt werden. Nach dem Tod der Stifterin 1742 stellte sich heraus, dass für eine solche Stiftung kein ausreichendes Vermögen mehr da war und deshalb der Schwiegersohn den Willen der Verstorbenen als Stiftung übernahm.

Während der Zeit der “napoleonischen Wirren” wurde das Stift geschlossen und Gottesdienste wurden eingestellt.

Erst im Jahre 1830 konnten die ursprünglichen Pläne der Stiftung wieder verfolgt werden. Die Kapelle wurde renoviert und gleichzeitig wurde in der Krypta eine Begräbnisstätte für die gräfliche Familie angelegt. Durch Erweiterungsbauten 1833/34 konnte hier nun ein Kranken- und Waisenhaus eingerichtet werden.

Bis 1969 übernahmen die Klemensschwestern die Pflege der Kranken. In diesem Jahre wurde das Krankenhaus in ein Altenpflegeheim umgewandelt. Das Waisenhaus wurde 1977 geschlossen. 1995 wurde das Altenheim geschlossen. Neues Leben brachten die Karmelitinnen in das Michaelisstift, die von 1998 bis 2013 das historische Gebäude bewohnten.

Die Fotogalerie vom Michaelisstift

Michaelisstift & Michaeliskapelle

20.09.2019 – Lembeck.de – Frank Langenhorst