Lembeck – Am Samstag, dem 23.02.2019, hatte der Verein der Gartenfreunde Lembeck einen in Theorie und Praxis unterteilten Obstbaumschnittkurs organisiert. Als sachkundiger Referent konnte der zertifizierte Obstgehölzpfleger Georg Hermes aus Dorsten gewonnen werden.

Obstbaumschnittkurs
Georg Hermes mit seinem „Kabelbaum“. Foto: Ludwig Drüing

An dem Kurs nahmen 14 interessierte und wissbegierige Gartenfreunde aus Lembeck, aber auch aus Schermbeck, Dorsten und Reken teil.
Die Theoriestunden fanden praktischerweise im Lehrerzimmer der ehemaligen Laurentiusschule statt, wo auch die Möglichkeit bestand, Zeichnungen, Fotos und Erklärungen an die Wand zu projizieren.

Anhand eines selbstgebastelten „Kabelbaums“ mit Wurzel und Krone erklärte Georg Hermes den Aufbau eines Obstbaumes und die Notwendigkeit sowie die Auswirkungen des Obstbaumschnitts.

Er begann mit der sogenannten „Baumansprache“, bei der man sich das Umfeld des Baumes, eventuelle Beschädigungen, den Kronenaufbau und einige andere auffällige Befunde ansieht.
Dann werden zuerst die nicht akzeptablen Äste entnommen, insgesamt aber nur maximal 30 % der Blattmasse. Dabei sind die Wuchsgesetze zu beachten und man muss sich bewusst machen, dass ein Schnitt immer eine Verletzung der Baumsubstanz ist, wodurch der Saftfluss ausgelöst wird.

Deswegen sollen Jungbäume immer in der vegetationslosen Zeit, sprich an frostfreien Tagen im Winter, bzw. zeitigen Frühjahr beschnitten werden.
Dies gilt allerdings nur für Kernobst, also etwa Äpfel- und Birnenbäume, wogegen Steinobst, also z.B. Kirschen oder Pflaumen im Sommer, in der Regel nach der Ernte beschnitten werden.

Nach dem – von einer Kaffeepause unterbrochenen – theoretischen Teil stärkte man sich im benachbarten Kaffeehaus Böhmer mit einer leckeren Gulaschsuppe, bevor man auf der naheliegenden Obstwiese am Busbahnhof Lembeck zur Tat schritt und die gerade erst erworbenen Kenntnisse gleich in die Tat umsetzte.

Die Obstwiese befindet sich im Besitz der Stadt Dorsten, wird aber von den Lembecker Oldtimerfreunden unterhalten, dessen Vorsitzender einer der Teilnehmer war. Ein anderer Teilnehmer ist Vorsitzender des Hegerings Dorsten, der demnächst eine eigene Streuobstwiese anlegen will. Zwei weitere Teilnehmer kümmern sich ehrenamtlich um den Schulgarten der Lembecker Don Bosco Schule, in dem auch einige ältere Obstbäume stehen.

Georg Hermes begann den Nachmittag damit, dass er an einem jungen Baum demonstrierte, wie man es richtig macht. Er begann mit der „Baumansprache“, also der Bestandsaufnahme, etwa mit der Beschaffenheit der Baumscheibe, des Stammes und dann erst der Baumkrone. Danach entnahm er zunächst die absolut inakzeptablen Äste und die sogenannten „Hänger“ und „Reiter“, die nach unten oder nach oben stehenden unerwünschten Triebe auf einem Ast.

Ein Teilnehmer bei der Arbeit, die übrigen schauen zu. Foto: Ludwig Drüing

Dann ging es weiter mit dem Abschneiden, Beschneiden oder Ableiten der übrigen Äste, was letztlich dazu führte, dass eine optimale Baumkrone entstand, was bei den vor einigen Jahren gepflanzten, aber noch nicht beschnittenen Bäumen nicht immer ganz einfach war.

Nach der Demonstration durch den Fachmann, durften jeweils ein Teilnehmer selbst ran und einen Baum seiner Wahl „ansprechen“ und beschneiden und den zuschauenden Teilnehmern jede seiner Handlungen erklären. Nach erfolgreicher Arbeit wurde die Schere an den nächsten Freiwilligen weitergegeben.    

Links: Georg Hermes, ein Teilnehmer auf der Stehleiter. Foto: Ludwig Drüing

Nachdem alle zehn jungen Obstbäume auf diesem Gelände erfolgreich beschnitten waren, wurden noch die schon etwas älteren Obstbäume im Schulgarten in Augenschein genommen und die wichtigsten Pflegemaßnahmen besprochen.

Für den eigentlichen Schnitt blieb dann leider kaum noch Zeit. Die Verantwortlichen werden diesen Teil der Arbeit selbst erledigen und dabei in die Praxis umsetzen, was sie gelernt haben.

Im Don Bosco Schulgarten. Foto: Ludwig Drüing

Das erstaunliche Interesse an diesem Kurs zeigt, wie groß der Bedarf an fundierter fachkundiger Information ist.  Die Lembecker Gartenfreunde überlegen schon, ob sie so einen Kurz in nächster Zeit noch einmal anbieten sollen. Ein anderes Thema wäre die Veredelung von Obstbäumen, die am Rande der Theoriestunden bereits angesprochen wurde.

 

02.03.2019 – Ludwig Drüing  für Lembeck.de

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