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Am Mittwochabend, 05.12.2018, wurde der Deutsche Engagementpreis 2018 im Rahmen eines Festaktes in fünf verschiedenenKategorien an die Preisträger überreicht. Die Feier fand statt im Tipi am Kanzleramt, der größtenstationären Zeltbühne Europas mit über 550 Sitzplätzen – fast alles feste Tischplätze. Das Tipi am Kanzleramt liegt im Bezirk Tiergarten zwischen demBundeskanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt.

Foto: Michael Haddenhorst / TIPI AM KANZLERAMT

Nach derlaunigen Begrüßung der geladenen Gäste durch die Moderatorin Pinar Atalay wurdeder Festakt von Dr. Franziska Giffey, der Bundesfamilienministerin eröffnet.

Die erste Laudatio hielt Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der DeutschenBahn AG und einer der beiden Hauptsponsoren, auf die Preisträger 180 Grad Wende in der Kategorie„Chancen schaffen“. 

Ziel dieser in NRW tätigen Initiative ist es, zu einer „fundamentalen Wende in den Biografien junger benachteiligter Menschen mit Diskriminierungserfahrung beizutragen“, so heißt es in der Festschrift. „Das Besondere dabei ist ein großes ehrenamtliches Netzwerk aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die meist selbst der Zielgruppe entstammen. Sie begleiten junge Erwachsene und Jugendliche in Phasen der Orientierungslosigkeit und unterstützen sie dabei, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dies schließt Berufsberatung und Hilfe für Geflüchtete genauso ein wie Gewaltprävention und Arbeit gegen rassistische Diskriminierung sowie religiöse Radikalisierung.“ www.180gradwende.de

In der Kategorie „Leben bewahren“ wurde das Clean River Project e.V. ausgezeichnet, das sich bundesweit mit Paddeln und Fotokunst für saubere Flüsse und Meere einsetzt. „Durch aktives Aufräumen von deutschen Gewässern soll die Plastikmüllverschmutzung gesenkt werden. Herzstück ist dabei die künstlerische Inszenierung des gesammelten Plastikmülls: Die Fotokunst wird in einer Ausstellung öffentlichkeitswirksam präsentiert und bietet so einen niederschwelligen Einstieg in das Thema Plastikmüllverschmutzung“

Genau darauf ging auch die Laudatorin Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIV Berlin) ein, die in Ihrer Lobrede u.a. sagte, dass pro Minute (!) eine Lastwagenladung Plastikmüll ins Meer gekippt wird. Tendenz steigend!

Mehr Informationen zu dem Projekt unter www.cleanriverproject.de

Das Projekt Silberpfoten – für Senioren und ihre Tiere in Stuttgartwurde in der Kategorie „Generationen verbinden“ ausgezeichnet. Laudator war der stellvertretende Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie – der zweite Hauptsponsor des Deutschen Engagementpreises.

„Durch denEinsatz ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in Form einer Nachbarschaftshilfekönnen Tier und Halterin oder Halter so lange wie möglich zusammenbleiben. Bei Silberpfoten vereinen sich so Tierschutzund Mitmenschlichkeit auf einzigartige Weise.“ So die Festschrift. Seit derGründung des Projekts konnten mehr als 800 Ehrenamtliche über 200 Seniorinnenund Senioren und ihren Tieren wirksam helfen. Mehr dazu unter www.silberpfoten-stuttgart.de

Wir schaffen das so nennt sich die Projektgruppe aus Sachsen, die in der Kategorie „Demokratie stärken“ der ersten Platz belegte.

„2016 entstand ein Klima von Fremdenhass und Ausgrenzung an der regionalen Schule „Rudolf Tarnow“ in Boitzenburg. Nahezu täglich kam es zu Diskriminierungen, gewaltsamen Übergriffen und rassistischen Beleidigungen gegen Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung sowie deren Freundinnen und Freunden. Als Reaktion auf diese Entwicklung rief eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern das Projekt Wir schaffen das! ins Leben. Ziel war es, sich gemeinsam für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit einzusetzen und aktiv gegen Rassismus und Intoleranz an der Schule vorzugehen. […] Schließlich schaffte es die Projektgruppe, 550 Menschen und über 50 Referentinnen und Referenten in der Turnhalle der Schule zum Projekttag für Zivilcourage zusammen zu bringen.“

Die Laudatio auf diese bemerkenswerte Schülergruppe hielt der Schauspieler Oliver Mommsen (u.a. bekannt als Bremer Tatort-Kommissar), der diesem beispielhaften Einsatz für Demokratie und Menschenrechte seine Hochachtung zollte.

In dem anschließenden kurzen Gespräch mit Pinar Atalay antwortete einer der beiden Schüler, die den Preis entgegennahmen, auf die Frage, wie er und seine Mitstreiter es geschafft hätten, dieses Projekt gegen alle Widerstände durchzuziehen und vielleicht sogar noch auf breitere Füße zu stellen, kurz und knapp: „Man muss groß denken.“

Der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. erhielt den Preis zugesprochen in der Kategorie „Grenzen überwinden“.

„Als der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. 1983 gegründet wurde, kannte Deutschland den Begriff `Inklusion` noch lange nicht. Das ist wohl das beste Beweis für die Wirkung des Verbandes.“ So sagt die Festschrift.

Der Bundesverband ist immer dann zur Stelle, wenn es um die Vermittlung von Kindern mit körperlichen, geistigen, seelischen und mehrfachen Behinderungen in geeignete Pflegefamilien geht. Ziel ist die Vermittlung der Kinder in ein liebevolles und ihren Bedürfnissen gerecht werdendes Familienumfeld.

Die Laudatorin Saskia von Winterfeld (Schauspielerin) lobte dieses bemerkenswerte Engagement und betonte, dass eine Familie fast immer die bessere Alternative zu einem Heim sei und dass „Grenzen überwunden“ werden müssten, vor allem die im Kopf.

Nähere Informationen zur Arbeit des Verbandes unter www.bbpflegekinder.de

Den Publikumspreis gewann erwartungsgemäß Moje Tieden – gegen Altersarmut von Frauen in Ostfriesland.

„Im Mittelpunkt des Engagements dieser Gruppe steht die meist finanzielleund spontane Unterstützung älterer sozial schwacher Frauen. Ziel ist es, denbetroffenen Frauen Moje Tieden, alsoschöne Zeiten in Gemeinschaft zu ermöglichen und sie aus ihrer sozialenIsolation herauszuholen. Die Aktivitäten des Projekts bauen dabei auf derPhilosophie des Zonta Clubs International auf, in dem sich berufstätige Frauenweltweit seit fast 100 Jahren für die Gleichstellung der Frau einsetzen.“  www.zonta-leer-ostfriesland.de

Für dieses Projekt, an dem sich seit 2014 dreißig Frauen des international tätigen Zonta Clubs beteiligen, fand die Laudatorin Dr. Franziska Giffey viele lobende und anerkennende Worte.

Durch das Programm führte, wie weiter oben schon erwähnt, die bekannte Fernseh-Moderatorin Pinar Atalay, die ihre Aufgabe sehr professionell, charmant und gelassen erledigte. Sie stellte nicht nur die Laudatoren und Sponsoren vor und interviewte die Preisträger, sondern kündigte auch das umfangreiche künstlerische Programm an. Dazu gehörte zum Beispiel Esther Ofarim, eine Artistin, ein Solo-Geiger und eine Musikgruppe, die nur mit ihrer Stimme die verschiedensten Instrumente imitierten. Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von einer sehr einfühlsamen Live-Band, die zum Beispiel die Preisträger immer mit einer passenden Melodie auf die Bühne geleiteten.

Der stimmungsreiche Abend wurde abgerundet durch einen Empfang, bei dem sich alle Gäste an dem köstlichen und reichhaltigen Buffet bedienen konnten und von dem sehr aufmerksamen Personal sehr großzügig mit Nachtisch und den gewünschten Getränken versorgt wurden.

Für mich und meine Frau Luise, die wir im Namen unseres Vereins 1000 Jahre Lembeck e.V. nach Berlin reisen durften, war dieser besondere Abend ein weiterer Höhepunkt im Reigen der zahlreichen Jubiläumsfeierlichkeiten und gleichsam der Abschluss der mehr als dreijährigen Vorbereitungszeit auf 2017.

Wir geben die Würdigung und Anerkennung, die wir an diesem Abend in Berlin erfahren durften, gerne an den gesamten Verein, aber auch an unser ganzes Jubiläumsdorf weiter, das stolz sein darf auf alles, was wir im Jubeljahr 2017 gemeinsam auf die Beine gestellt haben und was den Zusammenhalt in unserer Gemeinde hoffentlich nachhaltig gestärkt hat.

Dafür zu arbeiten und sich einzusetzen, hat sich gelohnt!

Danken möchten wir auch der Stadt Dorsten und ihrem und unserem Bürgermeister Tobias Stockhoff, der immer auf unserer Seite war und dessen CDU Stadtverband uns mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Dorsten ausgezeichnet und uns dann für den Deutschen Engagementpreis in Berlin gemeldet hat, bei dem wir so überraschend gut abgeschnitten haben.

09.12.2018 – Ludwig Drüing

Luise und Ludwig Drüing in Berlin. Foto: privat
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