Beiheft 86 zur Ökumenischen Rundschau - Titelabbildung

Bereits erschienen

Beiheft zur Ökumenischen Rundschau Nr. 86

Rochus Leonhardt (Herausgeber)

Die Aktualität der Sünde

Ein umstrittenes Thema der Theologie in interkonfessioneller Perspektive

2010, 215 Seiten, kartoniert
€ 24,–
ISBN 978-3-87476-607-4

Wörter wie Sünde, Sünder oder Sündigen kommen in alltäglichen Redewendungen immer wieder vor, allerdings regelmäßig unter Ausblendung seiner religiösen Dimension: Das Wort Sünde steht nicht für einen Bruch des menschlichen Gottesverhältnisses, der sich als Unglaube manifestiert, sondern für (meist minderschwere) Regelverstöße oder den Verlust unserer Selbstkontrolle.

Dass die religiöse Dimension des Sündenbegriffs außerhalb von kirchlicher Verkündigung und theologischer Reflexion so gut wie keine Rolle mehr spielt, kann die christliche Glaubensrechenschaft nicht unberührt lassen. Beim Versuch, aus theologischer Perspektive einen zeitgemäßen Zugang zum Sündenthema zu finden, zeigt sich allerdings schnell, dass der Begriff der Sünde nicht nur zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen mehr oder weniger strittig ist, sondern dass es dazu auch innerhalb der einzelnen Kirchen unterschiedliche Auffassungen gibt.

Die damit beschriebene Konstellation bildet den Hintergrund der neun Aufsätze, die in diesem Band versammelt sind. Darin wird das Sündenthema zunächst historisch bedacht (Peter Gemeinhardt), wobei das Hauptaugenmerk auf zwei wirkmächtigen Protagonisten der altkirchlichen Theologiegeschichte liegt: Origenes und Augustin. In den weiteren Beiträgen wird die Bedeutung der Sünde in den unterschiedlichen christlichen Konfessionen genauer untersucht, wobei regelmäßig die Frage nach der Gegenwartsrelevanz des Themas im Hintergrund steht. Dabei kommt die orthodoxe Theologie (Athanasios Vletsis) ebenso zur Sprache wie die römisch-katholische Sicht (Ralf Miggelbrink, Bernhard Nitsche), die freikirchlich-baptistische Perspektive (Ralf Dziewas) und die – in sich wiederum heterogene – Auffassung (Helga Kuhlmann, Ulrike Link-Wieczorek, Tom Kleffmann, Rochus Leonhardt) des großkirchlichen Protestantismus.

Die überwiegend aus einer Tagung des Interkonfessionellen Theologischen Arbeitskreises im Jahre 2009 hervorgegangenen Aufsätze dieses Bandes zielen auf eine diskursoffene Profilierung der unterschiedlichen konfessionellen Standpunkte. Gemeinsam ist ihnen die Überzeugung, dass dem Sündenbegriff eine grundsätzliche gegenwartsdiagnostische Bedeutung zukommt, die allerdings immer neu erschlossen werden muss.