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Japanische Angelegenheiten
2009, 151 Seiten, 14 farbige Abbildungen, kartoniert
€ 18,–
ISBN 978-3-87476-599-2
Ich kehre bei jedem Besuch in ein anderes Japan zurück. Die Menschen reden anders mit mir, andere Menschen reden mit mir, ich habe andere Konstruktionen mitgebracht, suche etwas anderes und sehe etwas anderes, aus demselben Fenster, in derselben Richtung.
Nächtliche beleuchtete Straßen wie Theaterbühnen, Menschen, die ihre Regenschirme meistens so tragen wie Deutsche, zarte Tuschzeichnungen, die Bäume im Nebel verschwinden lassen, die religiöse und ästhetische Freude am Fujisan, Autos, die oft schneller fahren als Fußgänger, eine Welt der wunderbaren ausladenden Treppen und der religiösen Zentren, die wie Flugzeuge mit offenen Laderampen gestaltet sind: Beobachtungen dieser und anderer Art macht Ulrich Dehn während seiner Jahre in Japan. In diesem Buch reflektiert der Autor autobiographisch über seinen Umgang mit der Fremdheit des Landes und den Menschen dort, seine Erfahrungen mit der japanischen Sprache und seiner eigenen Hemmungslosigkeit, Gebrauch von ihr zu machen, sowie über Blätter, die anders gezählt werden als Flaschen, über die Religiosität der Japaner, über Kunst und alltägliche Gepflogenheiten, über das Betreten eines Hauses und das Wandeln durch einen Garten, der keine Blüten braucht, über Stadtviertel, die keine Orientierungspunkte bieten, über Politikerinnen und ihre Fans, die sich ändern, über soziale Maßnahmen im Obdachlosenviertel Sanya und über die Aktivitätsstruktur einer japanischen Kirchengemeinde, die sich in der Architektur des Kirchengebäudes abbildet.
Er denkt nach über die Möglichkeiten des Lebens und über das Verstehen fremder Lebenszusammenhänge und stellt fest, dass seine Sicht verschiedene Phasen durchläuft: von der Fähigkeit, dicke Bücher über Japan zu schreiben, durch das Schweigen und die Selbstverständlichkeit hindurch und wieder zu dem Verlangen, doch immerhin ein wenig zu schreiben, auch wenn alles schnell wieder falsch sein kann, weil jedes Japan anders aussieht als das andere wie der Blick aus einem fahrenden Zug. So ist dieses Buch nicht mehr als einer dieser Blicke, subjektiv, ehrlich, ausschnitthaft und nicht immer ernst.
