Religiöse Bildsprache der nichtfigurativen Moderne - Titelabbildung

Yvonne Besser

Religiöse Bildsprache der nichtfigurativen Moderne

Der Fensterzyklus zu Psalm 22 von Johannes Schreiter in der Jacobikirche Göttingen

2009, 128 Seiten, 15 farbige Abbildungen, kartoniert
€ 14,80
ISBN 978-3-87476-583-1

Das geschriebene Wort ist eben nicht mehr nur Wort,
es ist bereits Bild.«

Mit dieser aphoristischen Notiz weist Johannes Schreiter, der bedeutendste deutsche Glasbildner unserer Zeit, auf eine generelle Bildhaftigkeit von Worten hin. Dies gilt im Besonderen für religiöse Sprache. In seinem Fensterzyklus zu Psalm 22 in der Göttinger Jacobikirche nimmt Johannes Schreiter nun die komplexe Bildhaftigkeit der Sprache des Textes auf, wobei es ihm gelingt in seiner Gestaltung zu wesentlichen Aussagen über die Verbindung Mensch-Gott vorzudringen.

Anhand eines Text-Bild-Vergleichs untersucht die Autorin, wie Johannes Schreiter in seinem Werk zu einer eigenen religiösen Bildsprache findet, die formal in verschiedenen Tendenzen der Kunst des 20. Jahrhunderts zu verorten ist. Einflüsse der Farbfeldmalerei, des Informel, des Konstruktivismus und der seriellen Ornamentik werden herausgestellt, die collagenhaft angewendet zu einer Schreiter-spezifischen Ikonographie führen. Vertreter der Farbfeldmalerei, wie Kasimir Malewitsch, Ad Reinhardt, Barnett Newman und Mark Rothko werden auf ihren religiösen Gehalt hin untersucht und in Bezug zum Werk Schreiters gesetzt. Der Künstler ist aber nicht nur von der Kunst der Moderne beeinflusst. In einem unveröffentlichten Text von 1966 berichtet er von einer »Revision der Bildkonzeption«, die sich für ihn nach dem Besuch einer Ausstellung zur frühen Buchmalerei im Britischen Museum und des Ikonenmuseums Recklinghausen ergeben hatte. Die hier getroffenen Aussagen tragen wesentlich auch zur formalen Erschließung des 1995 entstandenen Göttinger Entwurfs bei. Von der Kunstgeschichte traditionell im Kunsthandwerk verortet, erfährt die Glasmalerei durch ihn eine Anbindung an die Tendenzen der Kunst des 20. Jahrhunderts und somit eine ihr zustehende Aufwertung.